Vom Depot leben: Das solltest du beachten
Rund um das Thema Kapitalentnahmen gibt es einige Mythen und Missverständnisse. Denn entgegen der landläufigen Meinung ist es nicht notwendig, ausschüttende Wertpapiere zu halten, wenn man vom Portfolio leben möchte.
Je nach Anlagestrategie macht ein Dividendenportfolio ohnehin nur beschränkt Sinn. Denn während des Vermögensaufbaus hemmen Ausschüttungen in Form von Dividenden den Vermögenszuwachs und bremsen somit deinen Vermögensaufbau.
Wenn irgendwann der Tag X erreicht ist, beispielsweise wenn du in Rente gehst und du vom Depot leben möchtest, spätestens dann wird der sogenannte Kapitalverzehr ein Thema für dich.
Du könntest nun auf eine ausschüttende Strategie wechseln und beispielsweise statt thesaurierenden nun ausschüttende ETFs verwenden. Doch dies ist gar nicht notwendig.
Vielen Dank Eric. Sehr guter Beitrag. Ich schlage mich auch mit solchen Fragen herum. Dividenden sind beliebt, weil man trotz Abgang der Dividende immer noch gleich viele Anteile hält. Wenn man Anteile verkauft, hat man optischen den Eindruck, dass sich das Vermögen verringere.
Für mich stellen sich auch steuerliche Fragen: Auf den Dividenden zahle ich Steuern, auf Kapitalgewinnen nicht. Allerdings muss ich auf thesaurierende ETF auch Steuern zahlen auf hypothetischen Ausschüttungen. Verstehe ich das richtig?
Der Vergleich zwischen ausschüttenden ETF und thesaurierenden ETF wäre mal ein Thema für deinen Blog.
Danke für deinen Input Martin, ich nehme die Idee gerne für einen Blogpost auf!
Lieber Eric, vielen Dank. Ich mache mir ja auch immer wieder Gedanken, wie ich mein Depot im Alter nutzen werde.
Beim dynamischen Kapitalverzehr hätte ich eine Anmerkung.
Wenn ich eine Kapitalverzehr-Variante wähle, dann rechne ich mir genau aus, wie viel Geld ich pro Jahr zum Leben brauche. Beispiel: Sagen wir, ich brauche allermindestens 30000 CHF pro Jahr, also 2500 CHF pro Monat.
Du schlägst vor, in guten Zeiten etwas mehr zu entnehmen und in schlechten Börsenzeiten eher etwas weniger zu entnehmen. Was, wenn diese Börsenzeiten länger andauern, als dass ich mit der Entnahme warten kann (weil ich sonst in finanzielle Schieflage gerate?).
Dann wäre diese Möglichkeit nur eine Ergänzung zur meinen sonstigen Einkünften, weil zu risikobehaftet?
Liebe Helga,
vielen Dank für deine Nachricht und die Frage!
Vorab: Die dynamische Entnahme ist kein von mir erfundenes Konzept, sondern wurde von Ökonomen entworfen.
Es ist natürlich absout richtig, dass sich nie genau sagen lässt wie lange die Zyklen gehen und allgemein: Was ist eigentlich eine gute oder schlechte Zeit? Was ist die Referenz und wie weit geht es noch «hoch» oder «runter» 🙂 …
Das Thema ist nicht ganz einfach und lässt sich am besten in einem Video erklären (kleine Werbung für den FinanzFahrplan, wo wir das genau anschauen).
Um deine Frage aber in Kürze grob zu beantworten: Die dynamische Entnahme funktioniert nur mit ausreichend Puffern und entsprechender Vorrausschau. Von Jahr zu Jahr am Limit entlang zu gehen wäre nicht machbar (ausser man hat eine Glaskugel, die die Börsenkurse vorhersagt 🙂 ).
Die Technik dient also als Ergänzung und kann dir geschickt angewendet aber unter dem Strich doch einen beträchtlichen Unterschied machen. Denn insbesondere in schlechten Jahren ist eine Entnahme natürlich schädlich fürs Depot und es erholt sich danach entsprechend schwerer.
Ich hoffe, diese kurze Ausführung konnte etwas Klarheit schaffen 🙂
Hallo Helga, ich dachte, dass die dynamische Entnahme voraussetzt, dass man ein Minimal Budget und ein Komfort Budget hat. In schlechten Börsenzeiten beschränkt man sich auf das Minimal Budget, in normalen Börsenzeiten entnimmt man das Komfort Budget, und in aussergewöhnlich guten Börsenzeiten entnimmt man mehr als das Komfort Budget.
So plane ich jedenfalls den Verbrauch meines Vermögens im Ruhestand.
Ich möchte zukünftig eine dynamische Entnahmestrategie anwenden. Mein Kapital lege ich in Welt-Aktien-ETFs an (VWRL), evtl. noch einen (kleinen) Teil in Bitcoin (max. 10%).
Ich plane, jeden Monat 0.5% vom gerade aktuellen Portfolio-Wert zu verbrauchen (oder 1% alle 2 Monate). Auf diese Weise schwankt der zu verbrauchende Wert zwar jeden Monat, dafür reicht aber das Geld ewig (das Kapital nimmt sogar leicht zu; Annahme: Aktien haben eine durchschnittliche Jahresperformance von mind. 7%).