Steuerbelastung nach Kanton: CHF 12'580 Unterschied zwischen Zug und Neuenburg bei CHF 100'000 Lohn

Steuerbelastung nach Kanton: CHF 12'580 Unterschied bei gleichem Lohn

Zwei Menschen. Beide ledig, keine Kinder, keine Kirchensteuer. Beide verdienen CHF 100’000 brutto.

Wohnort Zug: CHF 5’630 Steuern.

Wohnort Neuenburg: CHF 18’210.

Unterschied: CHF 12’580. Jedes Jahr.

Die Zahlen stimmen. Sie stammen aus der Statistik der Eidgenössischen Steuerverwaltung.

Aber die interessanteste Erkenntnis steckt nicht zwischen Zug und Neuenburg. Sie steckt zwischen allen anderen.

Was hier eigentlich verglichen wird

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Die ESTV rechnet jedes Jahr denselben Musterfall für alle 26 Kantonshauptorte durch. Bundes-, Kantons- und Gemeindesteuern zusammen.

Der Musterfall:

  • ledige Person
  • ohne Kinder
  • ohne Kirchensteuer
  • CHF 100’000 Lohn vor allen Abzügen
  • Wohnsitz im jeweiligen Kantonshauptort

Zwei Dinge sind daran wichtig.

Die Bundessteuer ist enthalten. Das wurde oft gefragt. Sie ist in der ganzen Schweiz gleich hoch. Der Unterschied zwischen den Orten entsteht also allein bei Kanton und Gemeinde.

Und weil der Lohn genau CHF 100’000 beträgt, entspricht der Prozentwert direkt dem Frankenbetrag. 5,63 Prozent sind CHF 5’630. Praktisch, aber bei jedem anderen Lohn geht diese Rechnung nicht mehr auf.

Warum es diese Unterschiede überhaupt gibt: Jeder Kanton legt seine eigenen Steuertarife fest, und jede Gemeinde legt zusätzlich fest, welchen Prozentsatz davon sie erhebt. Zwei Gemeinden im selben Kanton können deshalb unterschiedlich teuer sein. Zwei Kantone erst recht.

Die Rangliste ist keine Rangliste der Kantone

Hier steckt der wichtigste Vorbehalt, und er wird fast immer übersehen.

Was du auf der Karte siehst, ist nicht «der günstige oder teure Kanton». Es ist das Ergebnis für einen einzigen Haushalt an 26 konkreten Adressen.

Ändere die Lebenssituation, und die Reihenfolge kann sich verschieben. Verheiratet statt ledig. Zwei Löhne statt einem. Kinder. Kirchensteuer. Wohneigentum. Vermögen. Bei Ehepaaren kommt zusätzlich die Heiratsstrafe ins Spiel, die je nach Kanton unterschiedlich stark wirkt.

Auch die CHF 100’000 sind schon eine Annahme. Der Medianlohn in der Schweiz liegt bei CHF 7’024 pro Monat. Der Musterfall verdient also überdurchschnittlich. Und weil höhere Löhne prozentual stärker besteuert werden, können die Abstände bei einem anderen Lohn anders ausfallen.

Ein Beispiel, das viele überraschen dürfte.

Bei diesem Musterfall liegt die Stadt Zürich auf Rang 7. CHF 12’120, und damit CHF 1’700 unter der Mitte des Feldes. Zürich gilt bei vielen als steuerlich teuer. Für diesen Haushalt ist es das nicht.

Und noch etwas: Die Karte zeigt Hauptorte, nicht Kantone. Der Hauptort kann deutlich vom Rest seines Kantons abweichen. Wer im gleichen Kanton, aber nicht im Hauptort wohnt, zahlt also möglicherweise etwas ganz anderes als den Kartenwert.

Hier sind alle 26 Werte:

RangKantonshauptortSteuernAbstand zur Mitte
1Zug (ZG)CHF 5’630−8’190
2Schwyz (SZ)CHF 9’550−4’270
3Appenzell (AI)CHF 10’350−3’470
4Sarnen (OW)CHF 11’510−2’310
5Altdorf (UR)CHF 11’520−2’300
6Stans (NW)CHF 11’620−2’200
7Zürich (ZH)CHF 12’120−1’700
8Schaffhausen (SH)CHF 12’320−1’500
9Glarus (GL)CHF 12’760−1’060
10Luzern (LU)CHF 12’810−1’010
11Chur (GR)CHF 12’970−850
12Aarau (AG)CHF 13’000−820
13Frauenfeld (TG)CHF 13’210−610
14Herisau (AR)CHF 14’430+610
15Bellinzona (TI)CHF 14’700+880
16Basel (BS)CHF 14’770+950
17Sitten (VS)CHF 15’040+1’220
18St. Gallen (SG)CHF 15’250+1’430
19Delsberg (JU)CHF 15’700+1’880
20Solothurn (SO)CHF 16’050+2’230
21Freiburg (FR)CHF 16’480+2’660
22Bern (BE)CHF 16’640+2’820
23Liestal (BL)CHF 16’890+3’070
24Lausanne (VD)CHF 17’000+3’180
25Genf (GE)CHF 17’350+3’530
26Neuenburg (NE)CHF 18’210+4’390

Quelle: ESTV, Steuerbelastung in den Kantonshauptorten 2024. Die Mitte des Feldes liegt bei CHF 13’820. 13 Orte liegen darunter, 13 darüber.

Der eigentliche Befund steckt in der Verteilung

Und jetzt schau nicht mehr auf die Ränder, sondern auf die Reihe dazwischen.

Zug ist der Ausreisser. Nicht Neuenburg.

Zug liegt CHF 8’190 unter der Mitte. Neuenburg liegt CHF 4’390 darüber. Der teuerste Hauptort ist also nur gut halb so weit von der Mitte entfernt wie der günstigste.

Der grösste Sprung passiert gleich am Anfang.

Von Zug auf Schwyz steigt die Rechnung um CHF 3’920. Ein einziger Platz.

Von Schwyz auf Frauenfeld sind es elf weitere Plätze. Zusammen macht das CHF 3’660.

Der Abstand zwischen Platz 1 und Platz 2 ist also grösser als der zwischen Platz 2 und Platz 13.

Sarnen: CHF 11’510. Altdorf: CHF 11’520.

Zehn Franken Unterschied. Im ganzen Jahr.

Trotzdem stehen die beiden auf zwei verschiedenen Rängen und bekommen auf der Karte zwei verschiedene Farben.

19 von 26 Hauptorten liegen in einem Band von CHF 6’000.

Also innerhalb von CHF 3’000 nach oben und unten um die Mitte. Klammert man Zug aus, schrumpft der Abstand zwischen dem tiefsten und dem höchsten Wert von CHF 12’580 auf CHF 8’660. Ein einziger Ort erzeugt fast ein Drittel der ganzen Spanne.

Auf der Karte sieht das nach fein abgestuften Unterschieden aus. Die Zahlen dahinter sind viel stärker gebündelt.

Das heisst nicht, dass die Unterschiede egal wären. CHF 3’000 pro Jahr sind viel Geld. Es heisst: Wenn wir Zug und Schwyz als besonders günstige Hauptorte ausklammern, wird das Feld sehr schnell sehr eng.

Was von einem Steuervorteil tatsächlich übrig bleibt

Bis hierhin ging es nur um Steuern. Jetzt verlassen wir diese Ebene.

Denn als ich die Karte auf LinkedIn geteilt habe, kam innerhalb weniger Stunden immer wieder derselbe Einwand: Was nützt mir der Steuervorteil, wenn ich ihn beim Wohnen wieder abgebe?

Berechtigte Frage. Und sie lässt sich beantworten, ohne mit unsicheren Durchschnittsmieten zu hantieren.

Rechne den Steuervorteil einfach auf den Monat um.

Zug gegen Neuenburg: CHF 12’580 pro Jahr sind CHF 1’048 pro Monat.

Das ist die entscheidende Zahl für deine Gegenrechnung.

Kostet dich das Wohnen in Zug mehr als CHF 1’048 zusätzlich pro Monat, ist der Steuervorteil rechnerisch aufgebraucht. Liegen deine Mehrkosten tiefer, bleibt ein Teil davon übrig.

Das Praktische daran: Du brauchst dafür keine Statistik. Du setzt deine eigenen Zahlen ein.

Die Umzugs-Faustformel

Jährlicher Steuervorteil geteilt durch 12 = so viel darfst du am neuen Ort pro Monat mehr ausgeben, bevor der Steuervorteil aufgebraucht ist.

Bei zwei Orten aus dem Mittelfeld wird die Zahl schnell klein. Zürich gegen die Mitte des Feldes sind CHF 1’700 im Jahr, also CHF 142 pro Monat.

Was das für dich bedeutet, hängt von deiner Wohnung ab. Nicht von einem Durchschnitt. Falls du unsicher bist, wie viel Miete überhaupt zu deinem Lohn passt: Dazu gibt es die Faustformel zwischen Miete und Gehalt.

Und dann sind da noch die Krankenkassenprämien

2026 liegt die mittlere Monatsprämie schweizweit bei CHF 393.30.

Im Tessin sind es CHF 501.50, in Zug CHF 264.50. Das sind rund CHF 2’840 Unterschied pro Jahr.

Allein bei der Krankenkasse können also Differenzen entstehen, die grösser sind als der Steuerunterschied zwischen vielen Hauptorten.

Der tiefe Zuger Wert hat allerdings einen Sondergrund. 2026 und 2027 übernimmt der Kanton 99 Prozent der Kosten für Behandlungen mit Spitalaufenthalt. Normalerweise tragen die Kantone mindestens 55 Prozent.

Diese zusätzliche Entlastung ist auf zwei Jahre begrenzt.

Standortvorteile sind eben nicht in Stein gemeisselt.

Beim allgemeinen Preisniveau wird die Datenlage danach schnell dünn. Es gibt keine belastbare Statistik, die dir sagt, was ein Wocheneinkauf in Zug gegenüber Neuenburg kostet. Deshalb behaupte ich es auch nicht.

Und der Zinseszins?

Der Einwand kam ebenfalls. Vereinfacht mit 5 Prozent Rendite gerechnet, werden aus CHF 12’580 pro Jahr über 40 Jahre rund CHF 1,5 Millionen.

Wie stark dieser Effekt über lange Zeiträume wirkt, zeigt der Josephspfennig noch drastischer.

Investieren kannst du aber nur den Teil, der nach höheren Kosten tatsächlich übrig bleibt.

Der Zinseszins ist nicht das Problem. Die Annahme davor ist es.

Wenn du deinen konkreten Wohnort durchrechnen willst, brauchst du übrigens kein Tool von mir. Der Steuerrechner der ESTV und wheretolive.ch machen das auf Gemeindeebene.

Der Hebel, den du tatsächlich kontrollieren kannst

Bleibt die Frage, die für die meisten wichtiger ist als «Wo müsste ich wohnen?».

Nämlich: Welche Hebel habe ich dort, wo ich schon wohne?

Der Ansatzpunkt steckt in der Vergleichsbasis dieser Statistik. Die ESTV rechnet mit dem Lohn vor allen Abzügen. Deine echte Steuerrechnung basiert aber auf dem, was nach den Abzügen übrig bleibt.

Der grösste planbare Abzug ist für die meisten die Säule 3a. Wer bei einer Pensionskasse angeschlossen ist, darf 2026 bis zu CHF 7’258 einzahlen und vollständig abziehen.

Wie viel davon tatsächlich bei den Steuern zurückkommt, hängt vor allem von Einkommen und Wohnort ab. Welche Form dabei zu dir passt, klärt der Vergleich zwischen 3a bei der Bank, als Police oder im Depot.

Dazu kommen freiwillige Einkäufe in die Pensionskasse. Die ermöglichen oft deutlich grössere Abzüge und lassen sich je nach Situation über mehrere Jahre planen.

Ein wichtiger Vorbehalt dazu: Ein Einkauf ist nicht automatisch sinnvoll, nur weil er Steuern spart. Das Geld ist langfristig gebunden, und deine persönliche Vorsorgesituation muss dazu passen. Die Steuerersparnis ist ein Argument von mehreren. Nicht das einzige.

Wie die drei Säulen zusammenspielen, erkläre ich im 3-Säulen-Prinzip.

Und damit zur ehrlichen Einordnung.

Der Abzug ist nicht der grössere Hebel. Ein Wohnortwechsel kann in diesem Beispiel CHF 12’580 bewegen, eine volle Säule 3a bewegt deutlich weniger.

Aber er ist der Hebel, den du kontrollierst.

Der Wohnort ist die grosse, träge Grösse. Du entscheidest ihn selten frei, du änderst ihn selten, und wenn du ihn änderst, verschieben sich Miete, Arbeitsweg und Prämien gleich mit.

Über die Abzüge entscheidest du jedes Jahr neu. Ohne umzuziehen.

Fazit

Die Extreme auf der Steuerkarte sind spektakulär. Der grosse Mittelbereich ist es deutlich weniger. 19 von 26 Hauptorten liegen innerhalb von CHF 3’000 um die Mitte.

Dazu kommt: Die Karte zeigt einen einzigen Musterhaushalt an 26 Adressen. Deine eigene Steuerrechnung sieht anders aus, sobald sich Familienstand, Einkommen oder Abzüge unterscheiden.

Und die Steuerrechnung allein reicht ohnehin nicht, um einen Wohnort finanziell zu beurteilen. Wohnkosten und Krankenkasse gehören in dieselbe Rechnung.

Der Wohnort ist deshalb durchaus eine Finanzentscheidung.

Nur eben nicht nur eine Steuerentscheidung.

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FAQ

Ja. Die ESTV rechnet Bundes-, Kantons- und Gemeindesteuern zusammen. Die Bundessteuer ist überall in der Schweiz gleich hoch, der Unterschied entsteht also allein bei Kanton und Gemeinde.

Weil nur so ein sauberer Vergleich möglich ist. Die zulässigen Abzüge unterscheiden sich zwischen den Kantonen. Würde man vom steuerbaren Einkommen ausgehen, vergleicht man bereits unterschiedlich berechnete Grössen. Für deine eigene Steuerrechnung sind die Abzüge trotzdem entscheidend.

Nein. Die Statistik zeigt jeweils den Kantonshauptort. Innerhalb eines Kantons unterscheiden sich die Gemeinden zum Teil deutlich.Nein. Die Statistik zeigt jeweils den Kantonshauptort. Innerhalb eines Kantons unterscheiden sich die Gemeinden zum Teil deutlich.

Das lässt sich nur individuell beantworten. Als Faustregel: Teile den jährlichen Steuervorteil durch zwölf. Steigen deine Wohnkosten am neuen Ort um mehr als diesen Betrag, ist der Vorteil rechnerisch weg. Prämien, Arbeitsweg und Nebenkosten kommen dazu.

Es ist die ESTV-Statistik für das Steuerjahr 2024. Kantone und Gemeinden passen ihre Steuersätze laufend an, die Reihenfolge kann sich also von Jahr zu Jahr leicht verschieben.

Beim Steuerrechner der ESTV oder bei wheretolive.ch. Beide arbeiten auf Gemeindeebene und lassen dich dein eigenes Profil eingeben.

Dieser Beitrag dient der Finanzbildung und ist keine Anlage- oder Steuerberatung. Für deine persönliche Situation lohnt sich der Blick in die eigene Steuererklärung oder das Gespräch mit einer Fachperson.

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