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Was dir Finanzfluss und Gerd Kommer nicht sagen: Worauf du beim Geld anlegen schweizweit achten solltest

Landest du auch ständig bei ausländischen Finanzblogs und YouTubern, nur weil es in der Schweiz nicht genügend informative Quellen gibt? Ich kenne das Problem nur zu gut. Auch ich habe früher Gerd Kommers Buch gelesen und unzählige Videos von Finanzfluss und Co angesehen. Aber hier liegt ein grosses Problem. Wir leben in der Schweiz!

Seit seiner Einführung 1999 hat der Euro gegenüber unserer Währung, dem Schweizer Franken, rund 43% an Wert verloren. Auch die steuerlichen Aspekte oder etwa unsere Möglichkeiten in der Vorsorge sind in der Schweiz grundlegend anders als im Ausland. Das bedeutet, dass es nicht ideal wäre, einfach wie unsere ausländischen Nachbarn zu investieren. Eine Strategie ungefragt von Gerd Kommer, Finanzfluss oder anderen ausländischen Quellen zu übernehmen, wäre gefährlich.

Aus dieser Problematik heraus habe ich 2019 Schwiizerfranke als gezielten Finanzblog für Menschen in der Schweiz gegründet. In diesem Blogbeitrag wirst du kurz gefasst erfahren, wo wichtige finanzielle Unterschiede in der Schweiz im Vergleich zu unseren Nachbarländern liegen.

Inhaltsverzeichnis

Die Ausgangslage: Internationale Investments

Mit unserer starken Währung, dem Schweizer Franken (CHF), und einem kleinen Heimatmarkt haben wir eine besondere Beziehung zu internationalen Aktienmärkten. Wer in der Schweiz investiert, kommt am Ausland kaum vorbei.

Internationale Aktienmärkte und insbesondere auch der US-Aktienmarkt waren in der Vergangenheit sehr spannende Anlagen. Grosse internationale Tech-Firmen wie Google, Meta oder etwa Apple locken mit hohen Renditen. Auch Indizes wie der S&P 500 oder etwa der MSCI World sind in der Schweiz als ETF-Investment beliebt.

Allerdings solltest du dir beim Geld anlegen schweizweit im Klaren sein, dass internationale Investments für uns nicht nur Vorteile, sondern auch Nachteile und Risiken beinhalten. Achte daher auf die folgenden Punkte, wenn du deine Investments erfolgreich angehen möchtest.

1. Wechselkursrisiko: Einfluss auf den Wert der Investitionen

Der wohl am häufigsten unterschätzte Aspekt bei internationalen Wertpapieren steckt für Investoren aus der Schweiz im sogenannten Wechselkursrisiko.

Wenn du in ausländische Aktien investierst, trägst du zwei Risiken statt einem. Das Kursrisiko der Aktien. Und das Risiko, dass die Währung dahinter gegenüber dem Franken nachgibt. Somit entsteht neben dem Anlagerisiko auch noch ein Währungsrisiko.

Wichtig dabei: Es geht nicht darum, in welcher Währung du den ETF kaufst. Ein Welt-ETF, den du an der Schweizer Börse in Franken kaufst, enthält genau dieselben amerikanischen, japanischen und europäischen Firmen wie derselbe ETF in Dollar. Diese Firmen verdienen weiterhin in ihrer eigenen Währung. Franken auf dem Preisschild heisst nicht Franken im Fonds.

Wie stark das über die Jahre wirkt, siehst du hier:

Der Euro hat seit 1999 rund 43% gegenüber dem Franken verloren. Beim US-Dollar sind es seit 1986 rund 57%.

Das heisst aber nicht, dass ein US-Portfolio 57% verloren hat. Es heisst, dass von deiner Dollar-Rendite ein erheblicher Teil beim Umrechnen in Franken wieder wegging. Und ein Teil dieser Bewegung ist nur Ausgleich für die höhere Inflation im Ausland. Nach Kaufkraft gerechnet sind es beim Dollar 17% statt 57%. Beide Zahlen stimmen. Die eine beschreibt den Kurs, die andere die Kaufkraft.

Fairerweise muss man sagen, dass gerade der US-Markt aufgrund der Techaktien (Apple, Meta und Co) in den letzten Jahren bessere Renditen als der Schweizer Aktienmarkt abgeworfen hat. Doch nicht immer war der Unterschied höher als die Währungsverluste. Das Währungsrisiko sollte also keinesfalls vergessen werden.

Hinweis: Durch Währungsabsicherung (sogenanntes Hedging) kann dem Währungsrisiko entgegengewirkt werden. Kostenfrei ist das nicht. Du zahlst dabei die Zinsdifferenz zwischen Franken und Fremdwährung. Und weil der Franken fast immer den tiefsten Zins hat, zahlst du als Schweizer meistens drauf. Wie du dem Währungsrisiko als Schweizer besser entgegenwirken kannst, besprechen wir daher im FinanzFahrplan ausführlich.

2. Wechselkursgebühren: Die Kosten der Währungsumrechnung

Wenn du beispielsweise eine Apple Aktie oder einen MSCI World ETF kaufst, wirst du dabei vermutlich einen Währungswechsel vornehmen. Bei der Umrechnung von CHF in andere Währungen werden je nach Anbieter bis zu 1-2% an Wechselkursgebühren anfallen, die deine Gesamtrendite verringern.

Eine Wechselkursgebühr von 1% ist bei vielen Schweizer Banken noch immer gängig. Sie fällt beim Kauf an und noch einmal beim Verkauf. Bei günstigen Anbietern liegt sie deutlich tiefer, teilweise unter 0.3%. Der Unterschied ist grösser, als die meisten denken.

Wichtig zu verstehen: Wechselkursgebühren sind einmalige Kosten, keine jährlichen. Sie schmälern nicht jedes Jahr deine Rendite, sondern einmal beim Einstieg und einmal beim Ausstieg.

Beispiel: Du investierst CHF 100’000 in einen MSCI-World-ETF und zahlst 1% Wechselkursgebühr. Das sind CHF 1’000, bevor der erste Franken arbeitet. Beim Verkauf nochmals rund 1%. Auf zehn Jahre verteilt entspricht das etwa 0.2 Prozentpunkten Rendite pro Jahr. Bei einem Anbieter mit 0.25% wären es CHF 250 statt CHF 1’000.

Kein Grund also, deswegen auf weltweite Streuung zu verzichten. Aber ein guter Grund, beim Anbieter genau hinzuschauen. In der Schweiz sind diese Kosten deutlich höher als im Ausland, und genau das übersehen die Ratgeber von jenseits der Grenze.

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3. Steuern: Andere Länder, andere Sitten

Im Gegensatz zu unseren Nachbarländern sind in der Schweiz für Privatinvestoren Kursgewinne steuerfrei. Dieser Aspekt ist ein grosser Vorteil im Vermögensaufbau.

Zwei Einschränkungen gehören dazu: Dividenden und Zinsen sind als Einkommen steuerbar, und dein Depot zählt zum steuerbaren Vermögen. Wer zudem sehr aktiv handelt, kann von der Steuerbehörde als gewerbsmässiger Wertschriftenhändler eingestuft werden. Dann sind auch Kursgewinne steuerpflichtig. Für langfristige Anleger ist das kein Thema.

Doch worauf solltest du steuerlich achten, wenn du dich in ausländischen Blogs, Büchern oder Videos zu Investments informierst?

Es gibt sicherlich viele wichtige Beispiele, doch was dir vermutlich früh begegnet, ist das Thema der Quellenbesteuerung. Die Quellensteuer wird vor allem auf Dividenden bei Investments im Ausland (bspw. auf einen MSCI-World-ETF) fällig und verrechnet. Ein Teil davon lässt sich zurückfordern, ein Teil geht bereits innerhalb des Fonds verloren.

Viele Länder haben untereinander Steuerabkommen, um eine Doppelbesteuerung zu vermeiden. Für Investoren aus der Schweiz gelten dabei andere Regeln, als für Investoren aus Deutschland oder etwa den USA.

Steuerliche Auswirkungen bei der Wahl von ETFs können deutlich grösser sein, als eine Differenz bei den Gebühren (TER). Achte daher beim Geld anlegen schweizweit nicht nur auf die Gebühren von ETFs, sondern insbesondere auch auf ein intelligent gewähltes Steuer-Domizil.

Welche Aspekte du dabei alle beachten musst, würden den Rahmen dieses Beitrags überschreiten, weshalb das Thema leicht verständlich in Video-Form im FinanzFahrplan aufgegriffen wird.

4. Diversifikation: Nicht immer so wirksam wie gedacht

Internationale Diversifikation (Streuung deiner Investments) ist ein wichtiger Grundsatz der allgemeinen Anlageansätze. Das Ziel ist, das Risiko durch breite Streuung zu senken.

Nur funktioniert das nicht mehr so gut wie früher. Firmen erzielen ihre Umsätze immer stärker international, und in Krisen bewegen sich die Märkte fast im Gleichschritt. Also genau dann, wenn du die Streuung brauchen würdest. Es gibt zahlreiche Untersuchungen dazu.

Dazu kommt: Ein MSCI-World-ETF besteht heute zu über 70% aus US-Aktien. Selbst ein Weltindex inklusive Schwellenländer kommt auf rund 64%. Mitte der Neunzigerjahre waren es noch etwa 40%. Wer «maximal diversifiziert» sein will, hält faktisch ein US-Portfolio mit internationaler Beimischung.

Für Privatinvestoren aus der Schweiz macht deshalb eine gezielte Beimischung von Schweizer Aktien durchaus Sinn:

Vier Gründe für Schweizer Aktien im Portfolio
Andere SektorstrukturDer Schweizer Markt ist stark auf Gesundheit und Konsumgüter ausgerichtet. Defensive Branchen, die weniger am Konjunkturzyklus hängen. Genau das, was ein technologielastiges Weltportfolio nicht liefert.
VerrechnungssteuerDie 35% auf Schweizer Dividenden bekommst du bei korrekter Deklaration vollständig zurück. Bei ausländischen Titeln geht ein Teil der Quellensteuer definitiv verloren.
Tiefere TransaktionskostenKein Währungswechsel beim Kauf, keiner beim Verkauf. Dazu kommt die Stempelsteuer: Auf Schweizer Titeln zahlst du 0.075%, auf ausländischen 0.15%. Also den doppelten Satz.
Weniger Wechselkurs-RauschenSchweizer Aktien werden in Franken gehandelt und bewertet. Der tägliche Wechselkurseffekt auf deinem Depotauszug fällt weg. Das wirtschaftliche Währungsrisiko verschwindet damit nicht, aber die sichtbare Schwankung in deiner Alltagswährung sinkt.

Dass das keine Aussenseiterposition ist, zeigt ein Blick auf die Profis. Schweizer Pensionskassen hielten Ende 2024 rund ein Drittel ihrer Aktien in Schweizer Titeln. Global macht die Schweiz nur etwa 2% der Marktkapitalisierung aus. Institutionelle Investoren mit Milliardenvermögen weichen also massiv vom Weltmarkt ab, und zwar bewusst.

Meine Einschätzung: Rund 30% Schweizer Aktien in einem ansonsten international breit gestreuten Portfolio sind für viele Schweizer Anleger ein spannender Ansatz. Das ist eine bewusste Abweichung vom Weltmarkt, keine neutrale Standardlösung.

Ehrlicherweise gehört dazu: Die grossen Schweizer Konzerne verdienen den Grossteil ihres Umsatzes im Ausland. Ein SPI-Investment schützt weniger vor Währungsschwankungen, als der Name vermuten lässt.

5. Lokale Vorteile in der Schweiz: Nutze sie unbedingt

Ist dir schon einmal aufgefallen, dass Finanzblogs aus Deutschland stets auf allgemeine ETF-Investments, jedoch selten auf lokale Vorsorgemöglichkeiten hinweisen?

Dabei ist die Säule 3a für viele Schweizer der wichtigste Hebel überhaupt. Bei den heutigen Top-Anbietern kannst du bis zu 99% in Aktien investieren, ohne versicherungstechnische Umverteilung. Und du wirst dafür steuerlich belohnt, weil du die Einzahlung vom steuerbaren Einkommen abziehst.

Steuerbegünstigte Vorsorgekonten gibt es auch anderswo. Was die Schweizer Lösung besonders macht, ist die Kombination: freie Anbieterwahl, sehr hohe Aktienquote und ein direkter Steuerabzug im Einzahlungsjahr. Genau diese Kombination fehlt in den Ratgebern von jenseits der Grenze komplett.

Neu seit 2026 kannst du zudem verpasste Einzahlungen nachholen. Beitragslücken ab dem Jahr 2025 lassen sich bis zu zehn Jahre rückwirkend schliessen, sofern du den Maximalbetrag des laufenden Jahres bereits ausgeschöpft hast. Pro Jahr ist zusätzlich höchstens ein Einkauf bis zum kleinen 3a-Betrag möglich.

Im Gegensatz zu anderen Ländern kann daher für viele SchweizerInnen die Säule 3a die interessanteste erste Anlaufstelle für den Vermögensaufbau bei der Geldanlage Schweiz darstellen.

Hier erfährst du einiges über die Eigenheiten der Säule 3a und in diesem Beitrag siehst du, wie du mit ihr steuerbegünstigt ein Vermögen von mehr als 1 Million Franken aufbauen kannst.

6. Wo wir investieren (dürfen)

Die Wahl des richtigen Anbieters hat einen starken Einfluss auf die Kosten und die Effizienz deiner Investments. Im Gegensatz zu den US-Amerikanern oder unseren europäischen Nachbarn beispielsweise haben wir in der Schweiz eine deutlich kleinere Auswahl an Brokern.

Wenn wir in der Schweiz Geld anlegen möchten, merken wir, dass Konkurrenz den Markt belebt. Beziehungsweise wir sehen, dass Investment-Gebühren weitaus teurer als im Ausland sind. Bei den Sparplänen hat sich zwar einiges bewegt, inzwischen bieten die meisten grösseren Anbieter welche an. Bei den Depot- und Handelsgebühren bleibt der Abstand zum Ausland aber deutlich.

Dazu kommt eine Schweizer Eigenheit, die in ausländischen Ratgebern schlicht nicht vorkommt: die Stempelsteuer. Bei jedem Kauf und Verkauf über einen Schweizer Broker zahlst du 0.075% auf Schweizer und 0.15% auf ausländische Titel. Klingt nach wenig, summiert sich aber über Jahrzehnte.

Manche ausländische Anbieter akzeptieren zwar Kunden aus der Schweiz, allerdings muss dies für uns Schweizer nicht die beste Wahl sein. Schliesslich sind günstige Gebühren bei Weitem noch nicht alle Faktoren, welche du beachten solltest. Ein Schweizer Steuerauszug spart dir jedes Jahr Stunden bei der Steuererklärung. Und ein Thema wie die Wertpapierleihe solltest du bei jedem Anbieter prüfen, nicht nur bei ausländischen. Entscheidend ist, ob sie eingesetzt wird, wie besichert wird und wer die Erträge bekommt. Hier findest du daher den Broker Vergleich für Schweizer und auch einen grossen Robo Advisor Vergleich.

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Fazit zum Geld anlegen schweizweit

Beim Geld anlegen schweizweit haben wir eine besondere Ausgangslage. Wir haben den starken Franken als Währung, kantonal individuelle Steuern und unsere eigene kleine, (meist auch) feine Bankenwelt. Für viele finanzielle Vorhaben wie etwa die Finanzierung von Eigenheim oder die Altersvorsorge, haben wir sehr attraktive Möglichkeiten.

Entsprechend können wir Investoren aus der Schweiz nicht ungeprüft Strategien und Tipps aus dem Ausland übernehmen. Viele Finanzthemen gelten international, doch viele Details sind bei uns eben doch anders.

Was du konkret mitnehmen solltest:

  • Währungsrisiko verstehen, nicht meiden. Es steckt in den Anlagen, nicht in der Handelswährung. Ein Welt-ETF in Franken ist kein Franken-Investment.
  • Auf Schweizer Kosten achten. Wechselkursgebühren, Depotgebühren und Stempelsteuer sind bei uns höher als im Ausland. Ausländische Ratgeber kennen sie schlicht nicht.
  • Die Säule 3a zuerst prüfen. Für viele Schweizer ist sie der stärkste Hebel überhaupt, und in keinem deutschen Video kommt sie vor.
  • Steuern schlagen manchmal sogar die TER. Das Fondsdomizil kann wichtiger sein als ein paar Hundertstelprozente Gebühren.

Die Ausnahme: Die Grundprinzipien gelten trotzdem. Breit streuen, tiefe Kosten, langfristig denken und durchhalten. Daran ändert der Schweizer Kontext nichts. Er verändert nur, wie du diese Prinzipien konkret umsetzt.

Hier im Blog auf Schwiizerfranke, im kostenfreien Wealth-Letter, oder im FinanzFahrplan erfährst du immer genau, worauf du beim Geld anlegen schweizweit achten solltest.

Teile gerne in den Kommentaren, welches Finanz-Thema für dich in der Schweiz besonders hervorsticht oder welches dich momentan noch am meisten beschäftigt!

18 Antworten
  1. Hoi Eric,
    ich habe meinen Wohnsitz in Deutschland und möchte gerne in der Schweiz investieren.
    Mich interessiert vor allem das Angebot der Saxo Bank Schweiz und möchte wissen, ob ich als Nicht-Schweizer ebenfalls die gleichen Konditionen, sowie die CHF 200 Trading Credits dieser Bank erhalte.
    Für deine Rückantwort danke ich dir vielmals im Voraus.
    LG Elgo

    1. Hallo Elgo
      es kommt dann wohl darauf an, ob du ein CHF-Konto in der Schweiz eröffnen möchtest, oder dir ein EUR-Konto in DE angeboten wird.
      Am besten kontaktierst du den Kundensupport dazu und lässt dich beraten, wie du optimal vorgehen kannst.

  2. Hallo Eric

    Herzlichen Dank für diesen tollen Beitrag. Gibt es deiner Meinung nach einen ungefähren %-Anteil, den schweizer Aktien im Portfolio ausmachen sollten?

    Viele Grüsse
    Nadine

    1. Hallo Nadine,
      als grobe Hausnummer könnte man über beispielsweise 30% nachdenken. Jedoch sollte die Überlegung genauer gemacht und auch geprüft werden.

      Weil das etwas aufwendiger ist: Im FinanzFahrplan simulieren wir verschiedene Strategien und schauen genau, welcher Anteil sich für deine persönliche Situation eignet.

  3. Hallo Eric
    Tausend Dank für die hilfreichen Informationen! Die Frage des Währungsrisikos treibt mich tatsächlich auch um. Ich bin vor 15 Jahren aus Deutschland in die Schweiz gezügelt, mittlerweile bin ich Schweizer und möchte auch den Rest meines Lebens in der Schweiz wohnhaft bleiben. Allerdings habe ich bedingt durch Erbe & Schenkung noch Euro bei einer Bank in D. Ich habe mittlerweile diese investiert über Depots die ohne deutschen Wohnsitz möglich sind (eins bei DKB und eins bei finanzen-zero.net; scalable capital oder trade republic wären meine erste Wahl, stehen aber leider ohne deutschen Wohnsitz nicht zur Verfügung). Ich habe mich gegen den Transfer der EUR in CHF entschieden mit dem Gedanken der Diversifizierung und Risikoverteilung. Ich verdiene CHF, sodass mein Vermögensaufbau CHF-dominiert ist. Langfristig baue ich also mein Vermögen in CHF weiter auf. Zwei Fragen: 1. Ist das grundsätzlich sinnvoll? 2. Wenn ich in USD-ETF/Aktien investiere, sollte ich dann lieber mit den EUR oder CHF investieren? Momentan erhalte ich ja mehr USD für CHF, aber wenn der CHF stärker wird verdampft das meine Gewinne an USD-ETF wie Du im Artikel sehr schön beschrieben hast.
    Ganz herzlichen Dank für Deinen mega guten Content!!!
    Viele Grüsse
    Christian

    1. Hallo Christian

      vielen herzlichen Dank für dein positives Feedback zum Blog! 🙂 Das freut mich sehr.

      Zu deinen Fragen: Wichtig zu wissen ist, dass die Zukunft nie aufgrund der Vergangenheit vorhergesagt werden kann.
      Daher kann dir niemand eine 100%ige Antwort auf deine Fragen geben. Ein Wechsel von Euros in Franken wäre immer auch eine Wette auf den künftigen Wechselkurs, und darauf würde ich keine Entscheidung stützen.

      Zumindest der Einsatz der anderen Währungen für Käufe in diesen Währungen ist absolut empfehlenswert. Euros für Euro-ETFs zu verwenden und Dollar für Dollar-ETFs zu nutzen, macht absolut Sinn. So sparst du dir zumindest die Gebühren für den Währungswechsel, welche bei jeder Bank/Broker aufkommen. Am Währungsrisiko der Anlagen selbst ändert die Handelswährung allerdings nichts.

      Ein wechsel zwischen den Währungen ist quasi eine Spekulation auf den künftigen Wechselkurs, den kann dir, wie gesagt, niemand vorhersagen. Aber zumindest das Vermeiden oder Reduzieren von Währungswechseln und den zugehörigen Gebühren würde ich dir anraten. So kannst du bspw. CHF-ETFs in der Schweiz in Franken kaufen und Euro-ETFs (falls du solche überhaupt im Portfolio hast) bei deinem Broker in Deutschland kaufen, wo sowieso schon Euros liegen.
      (Dies ist natürlich keine empfohlene Vorgehensweise für andere, die hier mitlesen, sondern rein auf diesen Sonderfall bezogen).
      Ich hoffe, diese Gedanken helfen dir weiter!

      Liebe Grüsse 🙂
      Eric

      1. Hallo Eric
        vielen Dank für Deine schnelle Antwort. Und vor allem auch den Perspektivwechsel in diesem etwas speziellen Fall. Ich denke in der Tat auch, dass der Franken weiterhin an Stärke zu nimmt. Ich dachte daran, die Euro in Euro-Investments zu behalten um dieses Währungsrisiko trotzdem etwas abzusichern, da ich noch mind. 30 Jahre in CHF Vermögenszuwachs haben werde. Aber während ich diese Zeilen hier schreibe zweifele ich ob das nicht in sich paradox. Denn wenn ich denke der CHF wird stärker, dann wäre es ja evtl. auch ok die Währungswechselgebühren in Kauf zu nehmen (von EUR zu CHF). Um dann zu versuchen möglichst breit diversifiziert in CHF-ETF zu investieren. Hier war Dein Artikel wirklich sehr erhellend, denn mich hatten zuvor die oft hohen TER abgeschreckt und so bespare ich momentan auch einen Welt ETF in USD. Ein schönes Beipsiel ist der iShares MSCI World CHF hedged (ISIN: IE00B8BVCK12) mit TER 0.55% und der gleiche in USD (ISIN: IE00B4L5Y983) mit TER 0.2%. Wenn man bei justetf.com die 5 Jahresperformance anschaut, sieht man dass der CHF hedged ETF ca 48% und der USD ETF ca 65% Wachstum hatten. Nun ist der USD ggü. CHF in der gleichen Zeit ca 10% schwächer geworden. Vielleicht liegen die übrigen ca 7% Unterschied irgendwo im Spread zwischen An/Verkauf oder Währungsumrechnungsgebühren (wobei letztere bereits in den höheren TER enthalten sind, dachte ich). Wie auch immer… Bei der Anschauung hatte ich nun noch 2 Fragen und wäre sehr froh und dankbar Deine Meinung dazu zu lesen. 🙂

        1. Wenn man nun per Sparplan regelmässig in einen USD-ETF investiert und angenommen der CHF wird auch ggü. dem USD langfristig weiterhin stärker, dann kann man ja auch bei jedem zukünftigen Kauf immer mehr ETF-Anteile für den immer stärker werdenden CHF kaufen. Nun ist aber bereits ein grosser Anteil in USD investiert, der dann natürlich relativ schwächer wird. Und nun ist nur die Frage, wieviel man zukünftig noch investiert wie der Gesamteinfluss ist auf das Investment. Kennst Du für diese Szenarien einen online Währungsrechner? Falls nicht, wäre es evtl. cool wenn Du so einen auf Deiner Hompage integrieren könntest. Denn ich habe nun erst mit Dir gelernt wie wichtig die Währungsanschauung vor allem für den Standort CH ist für die Vorsorgeplanung. Sonst verhagelt es nachher die ganzen schönen Prozentpunkte der Welt-ETFs.

        2. Mal angenommen, dass der CHF ggü. USD und EUR immer stärker wird und man sowohl CHF als auch EUR Cash Reserven hat. Wenn man nun in USD-ETF investieren möchte, wäre es empfehlenswert dies über EUR durchzuführen, oder? Vor allem im Hinblick wenn man spekuliert, dass der USD ggü. EUR in Zukunft stärker wird.

        So, das sind vorerst meine letzten Fragen. 🙂 Würde mich sehr freuen, wenn Du kurz dazu Deine Einschätzung geben könntest (ohne Anlageberatung, versteht sich) 😉

        Tausend Dank!!

        Liebe Grüsse
        Christian

        1. Lieber Christian,
          das sind sehr weitreichende Überlegungen, die sich im Umfang eines Kommentars leider nicht ausreichend beantworten lassen. Dazu wären zu viele Vereinfachungen notwendig, die falsch verstanden werden könnten.
          Thematisch passen die Fragen perfekt zum Inhalt des FinanzFahrplans, da gehen wir genau solche Themen an. In Kürze starten wir schon wieder, du kannst du hier einen Platz sichern: https://www.finanzuni.ch/finanzfahrplan

          Ansonsten verwende gerne den Blog, hier gibt es noch ein paar ausführlichere Inhalte zum Thema Währungen 🙂
          Liebe Grüsse und bis bald,
          Eric

  4. Ein Wechselkurs-Risiko kann auch immer eine Wechselkurs-Chance sein. Die letzten 30 Jahre waren ungünstig für CHF-EUR, das bedeutet aber nicht automatisch dass es nur in diese Richtung und auf immer und ewig so weitergeht. Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen. 😉 Aber trotzdem wichtig dass du auf diesen Umstand aufmerksam machst!

    Was mich aktuell umtreibt an Finanz-Thema in der Schweiz, ist das immer häufiger erwähnte investieren in Geldmarkt-Fonds (oder -ETFs) als Alternative zum (meist schlechter verzinsten) Sparkonto. Wenn man immer den besten Zins möchte, muss man aktuell sehr häufig das Bankkonto wechseln. Da scheint ein Geldmarkt-Investment einfacher zu sein. Vielleicht kannst du dazu mal einen Artikel scheiben? Hat jemand Erfahrung damit? Gibt es einen Geldmarkt-ETF in CHF? Bisher habe ich nur Fonds gefunden, allerdings weiß ich nicht welcher da Sinn machen würde, welche Unterschiede dass es allenfalls gibt, etc. Spielt es eine Rolle ob CH- oder LU-ISIN? Vielfach sind die Fonds eben in Luxemburg aufgesetzt. Ich habe kürzlich eine Kauforder bei Swissquote eingegeben (ohne sie am Ende effektiv zu platzieren) für einen Geldmarkt-Fonds von Swisscanto mit CH-ISIN, das hätte lediglich 9CHF Gebühr gekostet. Wird bei Geldmarkt-Fonds also keine Stempelsteuer fällig? Sehr viele Fragezeichen…

    1. Hallo Sebi, danke für deine Nachricht 🙂
      Eine Wechselkurs-Chance ist theoretisch ebenso möglich, da hast du recht. Auch, dass Prognosen schwer bis unmöglich sind. Was sich ohne Prognose sagen lässt: Ein grosser Teil der Frankenstärke ist Ausgleich für Inflationsunterschiede. Wenn die Preise im Ausland stärker steigen als bei uns, muss die Fremdwährung gegenüber dem Franken nachgeben. Solange dieser Unterschied besteht, spricht die Logik für eine weitere nominale Aufwertung. Eine Garantie ist das nie und eine Anlageentscheidung würde ich nicht darauf stützen.

      Bezüglich Geldmarktfonds sollten immer auch die Risiken (und auch die steuerlichen Themen) berücksichtigt werden. Aktuell sind diese für meinen Geschmack noch zu unattraktiv gegenüber einem gut verzinsten Bankkonto. Gerne nehme ich das Thema aber auf, wenn diese attraktiver werden.

  5. Super wertvoller Beitrag. Das Währungsrisiko ist definitiv im Auge zu behalten. Lieber in CHF notierte ETF investieren. Da verliert man vielleicht etwas an Performance, dafür spielt ein schwacher EUR oder USD keine grosse Rolle, zumindest optisch. Ich habe teilweise mehr als 25% verloren, nur wegen dem schwachen EUR.

    Leider läuft die Weltwirtschaft in USD und viele Schweizer Firmen spüren die Schwäche der ausländischen Währungen in ihrer CHF Bilanz. Was ich mir in Zukunft sicher genauer anschaue, sind das Steuerdomizil der ETF. Manch ein gehypter ETF auf YouTube ist für Schweizer Investoren, die ihre Kosten in CHF zu berappen haben, ein schlechtes Geschäft.

    1. Absolut richtig, Martin.
      Eine Ergänzung zur CHF-Notierung: Sie spart dir den Währungswechsel beim Kauf, das ist ein echter Kostenvorteil. Am Währungsrisiko selbst ändert sie nichts, denn die enthaltenen Firmen verdienen weiterhin in Dollar, Euro und Yen. Nur eine echte Absicherung (CHF hedged) verändert das Risiko, und die kostet.

      Wichtig zu wissen ist dabei auch, dass viele der börsennotierten Schweizer Firmen ihre Umsätze massgeblich im Ausland machen und so international dennoch (wenn auch indirekt) diversifiziert wird.

  6. Danke für diesen Post. Beim Thema Steuern lohnt sich vielleicht auch noch auf den Steuerausweis von schweizer Brokern oder Banken hinzuweisen. Der ist eine grossartige Sache, der es so viel einfacher bei der Steuererklärung – gerade bei Dividenden – macht. Das muss man sich bei ausländischen Broker immer alles manuell zusammensuchen.

  7. genau mit dieser Thematik setze ich micht derzeit auseinander. Habe bei Yuh den „Global Blue Chips“ und frage mich, ob es sinnvoller wäre, die CHF-Hedged-Variante zu besparen, auch wenn diese teurer ist. Aber bei der Hedged-Version ist die Kursperformance auch deutlich schlechter. Inputs? 🙂

    1. Hedging ist noch einmal ein ganzes Thema für sich und hier spalten sich auch bei den Profis die Meinungen. Wichtig zu verstehen: Die Kosten entstehen vor allem über die Zinsdifferenz zwischen Franken und Fremdwährung, nicht nur über die höhere TER. Und weil der Franken fast immer den tiefsten Zins hat, zahlen wir Schweizer beim Absichern meistens drauf.

      Bei Obligationen sollte meiner Meinung nach vollständig auf ein Währungsrisiko verzichtet werden (immer in CHF), keine Anlageberatung. Bei Aktien wird es schon komplexer und es lässt sich in der Kürze eines Kommentars keine vernünftige Gegenüberstellung machen. Gerne nehme ich das Thema für einen künftigen Beitrag auf 🙂

    2. International tätige Firmen sind in verschiedenen Währungen unterwegs. Da hast du schon einen Hedge. Weltweit diversifizierte ETF in CHF leiden auch unter einem schwachen Dollar. Ich investiere in ETF‘s in CHF und USD, massgebend ist für mich die TER. Ich glaube eher nicht, dass sich die Kosten fürs Hedging langfristig lohnen. Festverzinsliche Anlagen kommen bei mir nur in CHF ins Depot.

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