Das Problem mit dem All-World-ETF
Ein FTSE All-World oder MSCI ACWI investiert zu rund 60–65 % in US-Aktien. Ein reiner MSCI World (ohne Emerging Markets) sogar zu über 70 %. Für jemanden, der in der Schweiz lebt, in CHF verdient und in CHF konsumiert, heisst das: Du hast einen grossen Block Fremdwährungsrisiko – vor allem USD/CHF.
Dazu kommt: Ein All-World gewichtet nach Marktkapitalisierung. Das heisst, je teurer ein Markt wird, desto mehr kaufst du davon – automatisch.
Das kann dich teuer zu stehen kommen. Steigt der MSCI World in USD um 10 %, der Franken wertet aber gleichzeitig gegenüber dem Dollar auf, bleibt in CHF nur ein Bruchteil der Rendite übrig – oder im Extremfall gar nichts.
Hedging wäre eine Lösung – ist aber kein Gratis-Angebot. Der Haupttreiber der Hedging-Kosten ist die Zinsdifferenz zwischen CHF und USD (der sogenannte «Cost of Carry»). Je nach Zinsniveau kann das über längere Phasen spürbar Rendite kosten. Es gibt einen einfacheren Weg: gezielter Home Bias.
Hallo Eric,
Wie ist das Risiko des Wechselkurses einzuschätzen wenn ich den VWRA in USD halte und monatlich anspare. Ist das für mich ein zu hohes Risiko da ich beim Kauf immer erst CHF in USD kaufe und beim Verkauf in die andere Richtung. Oder ist dies vernachlässigbar. Ich hatte den VWRA gewählt, weil er über London sehr liquide erscheint thesaurierend ist und einfach weltweit anlegt.
Sonst halte ich Cash und Frankly Säule 3a ETF Positionen und möchte erstmal Vermögen über den VWRA durch monatliches besparen aufbauen?
Danke und viele Grüße,
Pascal
Hoi Pascal
Wichtig zum Verständnis: Die Handelswährung (USD) ist nicht dein
Wechselkursrisiko. Das echte Risiko liegt im Fonds selbst, also in den
Aktien: gut +60% USA im World-ETF plus weitere Fremdwährungen. Du wärst dem gleichen
Risiko ausgesetzt, auch wenn du den VWRA an der SIX in CHF kaufen
könntest. Handelswährung ist nicht gleich Absicherung.
On top kommen bei der USD-Variante die Wechselkursgebühren deines
Brokers beim Tausch CHF auf USD. Bei guten Brokern wie Saxo oder
Swissquote überschaubar, bei der Hausbank kann das spürbar werden.
Mein Ansatz: Internationale Streuung bleibt richtig, aber statt nur
einen Welt-ETF zu fahren, würde ich bewusst eine Schweiz-Beimischung
dazunehmen. Beispielsweise 20–30% in einen SPI-ETF reduziert das
USD-Klumpenrisiko anteilig und senkt gleichzeitig die
Wechselkursgebühren auf diesem Teil. Genau darum geht es im Artikel.
Liebe Grüsse
Eric
Wichtig: Das ist keine Anlageempfehlung!
Für das Portfolio gilt wie immer eine Gesamtbetrachtung.
Ausschliesslich ein All-World ETF im freien Vermögen kann situativ ausreichend sein, wenn in der gebundenen Investitionen (3a) ein Übergewicht des Schweizer und Emerging Marktes definiert wird. Einige Anbieter ermöglichen es, im gebundenen Teil ausschliesslich in diese Märkte zu investieren.
Aufgrund der höheren Dividenden in der Schweiz resultiert zusätzlich ein substantieller Steuervorteil, wenn der Schweizer Anteil im gebundenen Vermögen gehalten wird.
Absolut, danke für die wertvolle Ergänzung, Adrian.
In der Praxis sollte man jedoch aufpassen, dass die Gesamtbetrachtung realistisch ist. Heute zu sagen «ich habe noch eine 3a und meine PK macht auch viel aus» stimmt, aber die Steuerung ist dort teilweise stark eingeschränkt.
Weiterhin beobachte ich oft, dass Anleger im Alltag dann vergessen, welche Auswirkungen ein Eingriff am einen Ort auf das Gesamtportfolio hat.
Darum spricht vieles für zielgerichtete Investitionen: Ein Ziel = Ein Anlagetopf. Klarer Anlagehorizont, klares Risikoprofil, klare Abstimmung.
Lieber Eric
Als regelmässiger Käufer von MSCI World und FTSE All-World habe ich deinen Blogbeitrag und deine Überlegungen mit grossem Interesse gelesen.
Ich kann die von dir geschilderten Punkte betreffend des hohen US-Anteils in Welt- und Developed-ETFs, des damit verbundenen Währungsrisikos sowie insbesondere den Wertverlust des USD gegenüber dem CHF gut nachvollziehen.
Es gibt jedoch ein paar Gegenargumente, zu denen mich deine Meinung interessieren würde. Ich möchte damit prüfen, ob meine Überlegungen zumindest teilweise zutreffen:
1. PERFORMANCE:
Welt- oder Developed-ETFs haben historisch (bzw. in den vergangenen 12 Jahren) meist besser performt als CH-ETFs.
Siehe z.B der Vergleich auf https://www.justetf.com/ch/etf-comparison.html?isin=IE00B4L5Y983&isin=IE00B6R52259&isin=CH0237935637&isin=CH0237935652&isin=CH0008899764&isin=CH0031768937 .
Wenn man im Chart den Regler auf «Max» stellt, sieht man die Performance seit Mitte 2014.
Der iShares Swiss Dividend kann bezüglich Kursentwicklung teilweise noch mithalten, ist aber mit nur 20 Positionen deutlich weniger diversifiziert. Zudem müssen Dividenden bekanntlich versteuert werden, was zu einer tieferen Nachsteuer-Rendite führt.
Reicht die langfristig bessere Performance von Welt- und Developed-ETFs nicht aus, um die von dir erwähnten Nachteile zumindest teilweise zu kompensieren?
Natürlich gibt es keine Garantie für die Zukunft, aber ein Zeitraum von rund 12 Jahren scheint mir dennoch eine gewisse Aussagekraft zu haben.
2. WECHSELGEBÜHREN:
Es gibt Welt- und Developed-ETFs, die an der SIX direkt in CHF gehandelt werden.
Ein konkretes Beispiel ist der UBS Core MSCI World (IE00BD4TXV59, thesaurierend, TER 0.06%).
3. HOME BIAS:
Wer in der Schweiz lebt und in CHF verdient, hat in der Regel ohnehin bereits eine starke CHF-Exponierung.
Zudem ist der Schweizer Markt eher klein. Wenige grosse Firmen dominieren die CH-Indizes (z.B. Nestlé, Roche, Novartis mit je 12% im SPI bzw. 15-16% im SMI).
Ein hoher CH-Anteil erhöht daher das Einzeltitelrisiko.
Wäre es vor diesen Hintergründen nicht sogar kontraproduktiv, zusätzlich noch stark auf den Schweizer Markt zu setzen?
Ich danke dir im Voraus für deine Rückmeldung.
Liebe Grüsse
Dario
Lieber Dario,
Danke für deine durchdachten Punkte – spannende Diskussion!
1. Performance: Es kommt stark auf den Zeitraum an. Die letzten 12 Jahre waren gut für World-ETFs – aber ein Grossteil dieser Outperformance kam aus der USD-Stärke und der US-Tech-Rally. Beides muss sich nicht wiederholen. Wenn man Wechselkursverluste, Gebühren und Steuern konsequent aus Schweizer Perspektive einrechnet, gibt es über 25–30 Jahre Studien, in denen der SPI den MSCI World geschlagen hat. Und gerade 2025 war ein gutes Beispiel: Der SPI legte stark zu, während der MSCI World aus Schweizer Sicht wegen des Dollarverlusts kaum vom Fleck kam. Das ist natürlich eine Momentaufnahme – aber sie zeigt, wie schnell das Bild kippen kann.
2. CHF-Handel ≠ CHF-Absicherung: Stimmt, du sparst dir die Wechselgebühren beim Kauf, wenn du einen MSCI World ETF an der SIX in CHF handelst. Aber: Am Währungsrisiko ändert das nichts. Die Aktien im Fonds sind weiterhin in USD, EUR, JPY etc. bewertet. Fällt der Dollar, fällt deine Rendite in CHF – egal in welcher Währung du den ETF gekauft hast. Handelswährung ist nicht gleich Absicherung.
3. Home Bias: Das ist dein stärkstes Argument, und ich stimme teilweise zu. Nestlé, Roche und Novartis dominieren den SPI – blindlings 50% Schweiz wäre kein guter Plan. Mein Punkt ist aber auch gar nicht «alles auf Schweiz». Internationale Streuung bleibt der Fokus – man will ja die Tech-Unternehmen aus den USA und andere spannende Titel weltweit im Portfolio haben. Aber eine bewusste Schweizer Beimischung von beispielsweise 20–30% kann das Gesamtwährungsrisiko deutlich reduzieren, ohne dich in ein Klumpenrisiko zu manövrieren. Das ist etwas anderes als «stark auf den Schweizer Markt setzen».
Kurz: Der World-ETF ist ein gutes Basisprodukt. Mein Artikel richtet sich gegen den Irrglauben, dass er allein eine fertige Strategie ist – gerade als Schweizer. 😊
Keine Anlageberatung.
Liebe Grüsse,
Eric