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Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV): Formel, Rechner und die Frage, was ein gutes KGV ist

Nestlé handelt bei einem KGV von rund 17, Roche bei 20, Swiss Re bei 10. Heisst das, Swiss Re ist die günstigste der drei? Nein. Es heisst, dass die drei in verschiedenen Branchen sind, und dass die Zahl allein nichts sagt.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist der Aktienkurs geteilt durch den Gewinn je Aktie. Mehr ist die KGV-Formel nicht. Sie zeigt, wie viele Jahresgewinne du für eine Aktie bezahlst. Mit dem Rechner unten kannst du das KGV berechnen und einordnen. Danach siehst du, was ein gutes KGV ist, wo Schweizer Aktien heute stehen und wo die Kennzahl dich in die Irre führt.

Inhaltsverzeichnis

Kurs-Gewinn-Verhältnis – Das Wichtigste auf einen Blick
FormelKGV = Aktienkurs ÷ Gewinn je Aktie
BedeutungWie viele Jahresgewinne du für die Aktie bezahlst
GewinnrenditeKehrwert des KGV: bei KGV 17 rund 5.9 %
Grobe Bänderunter 10 günstig oder Problem · 10 bis 20 normal · über 25 Wachstum eingepreist
SMI heuterund 19 bis 20, historischer Schnitt 15 bis 16 (Stand April 2026)
AchtungNur innerhalb einer Branche vergleichen, nie zwischen Branchen
💡 Schwiizerfranke-Einschätzung: Das KGV ist ein Preisschild, kein Urteil. Ein tiefes KGV kann ein Schnäppchen sein oder ein Unternehmen mit Problemen. Nutze es zum Sortieren, nie zum Entscheiden.

Das Kurs Gewinn Verhältnis berechnen

Du brauchst zwei Zahlen: den Aktienkurs und den Gewinn je Aktie (englisch EPS, Earnings per Share).

KGV = Aktienkurs ÷ Gewinn je Aktie

Den Gewinn je Aktie findest du im Geschäftsbericht oder auf jeder Finanzseite. Falls nicht: Jahresgewinn geteilt durch Anzahl Aktien. Ein Unternehmen mit CHF 50 Millionen Gewinn und 20 Millionen Aktien verdient CHF 2.50 je Aktie. Kostet die Aktie CHF 40, ist das KGV 16.

Ein echtes Beispiel: Nestlé handelt im September 2026 um CHF 77. Der bereinigte Gewinn je Aktie der letzten vier Quartale liegt bei rund CHF 4.40. Das ergibt ein KGV von rund 17.5. Anders gesagt: Du bezahlst 17.5 Jahresgewinne für eine Nestlé-Aktie.

Welchen Gewinn nimmst du? Das ist die wichtigste Frage, und die meisten Anleitungen überspringen sie. Es gibt drei Varianten, und sie liefern drei verschiedene KGV:

  • Trailing (rückwärts): Gewinn der letzten zwölf Monate. Eine Tatsache, aber Vergangenheit.
  • Forward (vorwärts): Von Analysten geschätzter Gewinn des laufenden oder nächsten Jahres. Steht bei finanzen.ch als «KGV 2026e». Aktuell, aber eine Schätzung.
  • Bereinigt: Gewinn ohne Einmaleffekte wie Verkäufe, Abschreibungen, Rechtskosten. Bei Nestlé macht das den Unterschied zwischen KGV 17 (bereinigt) und KGV 22 (ausgewiesen).

Wenn du zwei KGV vergleichst, müssen sie auf derselben Basis stehen. Sonst vergleichst du Äpfel mit Birnen, und die meisten Foren-Diskussionen über «zu teure Aktien» sind genau das.

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Kurs Gewinn Verhältnis Bedeutung und Einordnung

Das KGV sagt, wie viele Jahre das Unternehmen bei gleichbleibendem Gewinn braucht, um deinen Kaufpreis zu verdienen. KGV 17 heisst 17 Jahre. Das ist die einfachste Lesart, und sie reicht für die meisten Entscheidungen.

Die zweite Lesart ist die Gewinnrendite, der Kehrwert des KGV. 1 geteilt durch 17 ergibt 5.9 %. Das ist der Gewinn, den das Unternehmen pro Jahr auf deinen Einsatz erwirtschaftet, egal ob es ihn ausschüttet oder reinvestiert. Diese Zahl kannst du direkt mit einer Obligation oder dem Sparkonto vergleichen. Eine Aktie mit KGV 30 hat eine Gewinnrendite von 3.3 %. Wer das mit 1 % auf dem Sparkonto vergleicht, findet es attraktiv. Wer es mit 4 % auf einer sicheren Obligation vergleicht, überlegt zweimal.

Deshalb hängt «teuer» oder «günstig» immer vom Zinsniveau ab. Bei Nullzinsen war ein KGV von 25 normal. Bei 3 % Zinsen ist es ein Preis, der Wachstum voraussetzt.

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Was ist ein gutes KGV?

Es gibt kein gutes KGV, nur ein passendes. Ein Versorger mit KGV 25 ist teuer, ein Software-Unternehmen mit KGV 25 günstig. Die Faustregel, die trotzdem hilft:

  • Unter 10: Der Markt erwartet sinkende Gewinne, oder die Branche ist zyklisch (Banken, Versicherer, Rohstoffe). Günstig oder Warnsignal, beides möglich.
  • 10 bis 20: Normalbereich für etablierte Unternehmen mit stabilem Wachstum.
  • 20 bis 30: Der Markt zahlt für Wachstum oder Qualität. Pharma, Konsumgüter mit starken Marken, Industrie mit Preismacht.
  • Über 30: Wachstum ist eingepreist. Bleibt es aus, fällt der Kurs, nicht das KGV.

Typische Bereiche nach Branche, grobe Richtwerte über einen Zyklus:

BrancheTypisches KGVWarum
Banken, Versicherer8 bis 14Zyklisch, reguliert, Gewinne schwanken
Versorger, Telekom10 bis 16Stabil, aber kaum Wachstum
Industrie14 bis 22Konjunkturabhängig, mittleres Wachstum
Pharma, Gesundheit15 bis 25Stabile Nachfrage, Patentrisiko
Konsumgüter mit Marke18 bis 26Planbare Gewinne, Preismacht
Software, Tech25 bis 40 plusHohes Wachstum eingepreist

Der zweite Vergleich ist der mit der eigenen Geschichte. Ein KGV von 17 bei Nestlé klingt normal. Gegen den 10-Jahres-Schnitt von rund 22 ist es tief. Entweder ist die Aktie günstig, oder der Markt glaubt nicht mehr an das alte Wachstum. Das KGV stellt die Frage, beantworten musst du sie selbst.

KGV Schweizer Aktien: SMI, Nestlé, Roche, Swiss Re

Der SMI handelt im Frühjahr 2026 bei einem KGV von rund 19 bis 20. Der historische Durchschnitt liegt bei 15 bis 16. Schweizer Aktien sind also über ihrem langjährigen Mittel bewertet, aber der SMI ist auch ein besonderer Index: Nestlé, Roche und Novartis machen fast die Hälfte aus, und alle drei sind Qualitätsunternehmen mit traditionell hohen KGV.

TitelKGVBasis
SMI (Index)rund 19 bis 20April 2026, historischer Schnitt 15 bis 16
Nestlérund 17bereinigter Gewinn, September 2026
Rocherund 20ausgewiesener Gewinn, September 2026
Swiss Rerund 10.5Schätzung 2026, tiefstes KGV im SMI

Swiss Re hat das tiefste KGV im SMI. Ein Schnäppchen? Nicht zwingend. Rückversicherer haben Gewinne, die mit jeder Naturkatastrophe schwanken, und der Markt zahlt für schwankende Gewinne weniger. Das KGV von 10.5 ist für die Branche normal, nicht günstig. Roche mit 20 ist für Pharma ebenfalls normal. Der Vergleich Swiss Re gegen Roche ist der klassische Fehler: zwei Branchen, ein Massstab.

Zahlen mit Stand September 2026, Quellen am Ende des Beitrags. Sie ändern sich täglich, die Einordnung nicht.

Wo findest du das KGV?

Du musst es selten selbst rechnen. Vier Quellen, die für Schweizer Aktien funktionieren:

  • SIX Swiss Exchange: Auf six-group.com bei jeder Aktie unter «Kennzahlen». Offizielle Börsendaten, kostenfrei.
  • finanzen.ch oder cash.ch: Zeigen Trailing-KGV und Schätzungen «2026e», «2027e». Achte auf die Basis.
  • Dein Broker: Swissquote, Saxo und die meisten Banken zeigen das KGV in der Titelansicht, oft mit Branchenvergleich.
  • Geschäftsbericht: Gewinn je Aktie steht in der Erfolgsrechnung. Kurs dazu, fertig. Der einzige Weg, bei dem du sicher weisst, welcher Gewinn drinsteckt.

Wenn zwei Seiten verschiedene KGV für dieselbe Aktie zeigen, ist keine falsch. Sie nehmen verschiedene Gewinne. Das ist der Grund, warum der Rechner oben dich fragt, welchen Gewinn du einträgst.

Optimierungen bei der KGV Berechnung

Vier Anpassungen, mit denen das KGV mehr aussagt:

  1. PEG statt KGV bei Wachstumswerten. Das KGV geteilt durch das erwartete Gewinnwachstum in Prozent. KGV 30 bei 30 % Wachstum ergibt PEG 1.0, das gilt als fair. KGV 30 bei 5 % Wachstum ergibt PEG 6, das ist teuer. Der Rechner oben hat den PEG-Modus eingebaut.
  2. Shiller-KGV für ganze Märkte. Kurs geteilt durch den inflationsbereinigten Durchschnittsgewinn der letzten zehn Jahre. Glättet Zyklen. Für Einzelaktien selten sinnvoll, für die Frage «Ist der Markt teuer?» das bessere Werkzeug.
  3. Durchschnittskurs statt Tageskurs. Ein 3-Monats-Mittel nimmt den Zufall des Stichtags raus.
  4. Sicherheitsabschlag. Wenn du dem Gewinn nicht traust, rechne mit 80 % davon. Das KGV steigt, und du siehst, ob die Aktie auch dann noch vertretbar ist.

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Grenzen des KGV

Negatives KGV: Macht das Unternehmen Verlust, ist das KGV negativ oder wird gar nicht ausgewiesen. Die Kennzahl ist dann bedeutungslos. Bei jungen Unternehmen und Turnarounds nimmst du Umsatz- oder Buchwert-Kennzahlen.

Einmaleffekte: Verkauft ein Unternehmen eine Sparte, springt der Gewinn und das KGV fällt auf 6. Nächstes Jahr ist der Effekt weg und das KGV steht bei 18. Deshalb bereinigter Gewinn.

Schulden fehlen: Zwei Unternehmen mit gleichem KGV, eines schuldenfrei, eines hoch verschuldet. Das KGV sieht keinen Unterschied. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) und die Eigenkapitalquote ergänzen es.

Zinsniveau: Steigen die Zinsen, sinken die KGV, weil Obligationen als Alternative attraktiver werden. Ein KGV von 20 war 2021 normal und ist 2026 ambitioniert. Vergleiche über Jahre hinweg nur mit dem Zins im Hinterkopf.

Fazit zur KGV Bedeutung

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist die schnellste Kennzahl der Börse und die am häufigsten falsch benutzte. Sie sagt, was du für einen Franken Gewinn bezahlst. Sie sagt nicht, ob das ein guter Preis ist. Das entscheidet die Branche, das Zinsniveau und die Frage, ob der Gewinn morgen noch da ist.

Nutze das KGV zum Sortieren: gleiche Branche, gleiche Gewinnbasis, dann vergleichen. Und schau immer den Kehrwert an. 5.9 % Gewinnrendite bei Nestlé gegen 4 % auf einer Obligation ist eine Entscheidung, die du fällen kannst. «KGV 17» allein ist keine.

Wer Einzelaktien bewerten will, braucht mehr als eine Kennzahl. Wer das nicht will, für den ist ein breit gestreuter ETF die ehrlichere Antwort.

Quellen:
Tages-Anzeiger, KGV SMI: Wie teuer sind Schweizer Aktien aktuell? (April 2026)
finanzen.ch, Roche Aktie Kennzahlen (September 2026)
aktienfinder.net, Nestlé Aktie, bereinigtes KGV (September 2026)
finanzen.ch, SMI-Bericht mit FactSet-Schätzung Swiss Re (29.09.2026)

FAQ

Es gibt keinen Wert, der für alle Branchen gilt. Als grobe Orientierung: 10 bis 20 ist normal, unter 10 günstig oder ein Warnsignal, über 25 zahlst du für Wachstum. Vergleiche nur innerhalb einer Branche und mit der eigenen Geschichte der Aktie.

Wie viele Jahresgewinne du für eine Aktie bezahlst. KGV 15 heisst: Bei gleichbleibendem Gewinn braucht das Unternehmen 15 Jahre, um deinen Kaufpreis zu verdienen. Der Kehrwert ist die Gewinnrendite, bei KGV 15 rund 6.7 %.

Nicht automatisch. Ein tiefes KGV kann heissen, dass die Aktie günstig ist, oder dass der Markt sinkende Gewinne erwartet. Banken und Versicherer haben strukturell tiefe KGV, weil ihre Gewinne schwanken.

Im Frühjahr 2026 rund 19 bis 20, gegenüber einem historischen Durchschnitt von 15 bis 16. Schweizer Aktien sind damit über ihrem langjährigen Mittel bewertet.

Das PEG teilt das KGV durch das erwartete Gewinnwachstum. Es zeigt, ob ein hohes KGV durch Wachstum gerechtfertigt ist. PEG um 1 gilt als fair, deutlich darüber als teuer.

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